Was machen TIC-Unternehmen?
Viele Fachkräfte kennen die Arbeitgeber der TIC-Branche gar nicht. Dabei sichern diese Sicherheit, Gesundheit und Qualität für unseren Alltag. Ina Westphal zeigt den wichtigen, sinnstiftenden Nutzen hinter der technischen Fassade auf – und gibt Recruitern in der TIC-Branche konkrete Beispiele für Gespräche und Stellenanzeigen mit auf den Weg. Denn nichts überzeugt mehr als Menschen, die erzählen: Die Arbeit ist gut und sinnvoll und sie macht mir richtig Spaß.
Warum wissen in Deutschland so wenige Menschen, welche attraktiven und sinnstiftenden Jobs die TIC-Branche bietet?
Wir werden oft gefragt, warum wir so gerne und engagiert für Prüfdienstleister-Unternehmen arbeiten. Schließlich kenne kaum einer die Unternehmen dieser Branche. Und das Thema Normen und Regelwerke sei doch ohnehin total langweilig, denn hier gehe es doch um die „typisch deutsche Regelungswut“. Was vielen nicht klar ist: Die TIC-Branche (das steht für Testing, Inspection, Certification. Die Branche wird auch als Prüfdienstleister oder Prüforganisation bezeichnet.) beeinflusst nahezu alle unsere Lebensbereiche und ist deshalb aus unser aller Leben gar nicht wegzudenken.
Früher erreichten Stellenanzeigen für Jobs als Auditoren, Sachverständige oder Prüfingenieure ausreichend Bewerbende. Heute sind die Recruiter und Talent-Akquisition-Manager der TIC-Unternehmen froh, wenn für diese Spezialisten-Funktionen überhaupt Bewerbungen eingehen. Die Zahl der offenen Stellen in der TIC-Branche – meist für Spezialisten-Funktionen mit einem eng umrissenen Qualifikationsprofil – steigt seit Jahren an. Die Gründe hierfür haben wir hier einmal näher beleuchtet: https://hellmund-berater.de/magazin/auditoren-dringend-gesucht. In Zeiten des Fachkräftemangels öffnen sich deshalb die Prüfdienstleister stärker als bisher auch branchenfremden Bewerbenden.
Wir befassen uns seit zwei Dekaden damit, was die Prüfdienstleister in Deutschland für Bewerbende zu bieten haben. In unseren Suchprojekten schauen wir jeden Tag aufs Neue, welche Argumente und Potenziale bei der Gewinnung von Fachkräften genutzt werden können.
Warum erreichen Prüfdienstleistungsunternehmen (TIC) Ihre Bewerber-Zielgruppen nicht mehr?
Problem 1: Die Branche ist vielen Bewerbenden unbekannt.
Problem 2: Bewerbende wollen heute wissen, welchen gesellschaftlichen Beitrag ein Unternehmen leistet.
Problem 3: Bewerbende wollen den Sinn in ihrem künftigen Job kennen.
Problem 1: Die Branche ist vielen Bewerbenden unbekannt
Machen wir doch einmal die Probe aufs Exempel: Stellen Sie einmal einer Person, die nicht aus dem Qualitätsmanagement oder der TIC-Branche kommt, die Frage: Welche Unternehmen der Prüfdienstleisterbranche in Deutschland kennen Sie? Für uns ist das Alltag in den Gesprächen mit Kandidat:innen. Und häufig blicken wir dann in ratlose Gesichter oder ernten Schweigen. Mit etwas Hilfe können die meisten dann noch die Flaggschiffe der Branche – beispielsweise eine der TÜV-Gesellschaften oder die DEKRA – nennen. Doch viele wissen nicht, dass es eine Vielzahl von kleinen und mittleren Prüfgesellschaften gibt, die mit ihrer Arbeit nahezu alle Bereiche unseres Lebens beeinflussen. Die Branche hat also vorerst noch ein Wahrnehmungsproblem.
Problem 2: Bewerbende wollen heute wissen, welchen gesellschaftlichen Beitrag ein Unternehmen leistet.
Der Sinn von Prüfdienstleistungen in einer globalen Welt liegt doch eigentlich auf der Hand, denken Sie? Nun, nicht per se für Branchenfremde. Die meisten kennen zum einen die Unternehmen der Branche nicht. Und sie haben auch keine genaue Vorstellung vom gesellschaftlichen Nutzen der Dienstleistungen. Heute wollen Bewerbende konkret wissen, welchen Wertbeitrag ein Unternehmen erbringt, welchen CO2-Abdruck eine Dienstleistung oder ein Produkt hat, wie eine Prüfdienstleistung dem Einzelnen nutzt und schließlich welcher gesamtgesellschaftliche Nutzen daraus resultiert. Jeder nutzt die Dienstleistungen der TIC-Branche oder kommt damit in Berührung, aber kaum jemand kennt sie. Und was man nicht kennt, lässt sich schwer wertschätzen.
Und was überzeugt uns davon, in einer bedeutsamen Branche tätig zu sein?
Regelwerke sorgen dafür, dass Dinge zusammenpassen! Ob Schweißnaht, Ventil, Roboter, Kuscheltier oder einfach Stecker und Steckdose: Wenn Produkte oder Komponenten unterschiedlicher Hersteller zusammen funktionieren sollen, braucht es eine Vereinheitlichung durch Regelwerke.
Normung hilft dabei, dass Produkte ihren Weg in die Welt finden! In Deutschland – dem Land der Erfinder und der mittelständischen »Hidden-Champions« – können Produktentwicklungen nur dann optimal verwertet werden, wenn man mit Standards dafür sorgt, dass jedes Stück genormt ist.
Normen schützen Sicherheit und Gesundheit der Verbraucher. Wenn es Normen, etwa für medizinische Implantate oder elektrische Geräte, nicht gäbe, brächte das große Probleme für die Gesundheit und Sicherheit von Menschen mit sich.
Normen machen Unternehmen besser. Wer sich als Unternehmen verpflichtet, z.B. die ISO 14001 (Nachhaltigkeit & Umweltmanagement) einzuhalten und sich diesen Regeln stellt, zeigt, dass er bereit ist, seine Organisation nach außen hin transparent zu machen und sich gezielt weiterzuentwickeln.
Problem 3: Bewerbende wollen den Sinn in ihrem künftigen Job kennen.
Viele Bewerbende wünschen sich heute eine Aufgabe mit Sinn und Nutzen für andere und formulieren das in Interviews wesentlich offensiver und selbstbewusster als früher. Warum mache ich das eigentlich hier? Wie trage ich zum Erfolg des Ganzen bei? Wie passt der Job zu meinen persönlichen Werten? Den meisten Bewerbenden geht es dabei nicht allein um die großen Fragen des Lebens. Die Erkenntnis, dass ihr Job einen konkreten Sinn erfüllt, hilft dabei, zufriedener zu sein und mit Herzblut und Enthusiasmus an die Arbeit zu gehen.
Eine Nutzenargumentation ist ausgesprochen hilfreich, um Menschen zu motivieren, sich zu bewerben. Warum? Wer möchte denn nicht, dass die Arbeit, die man tut, zu etwas gut ist? Erst die Kombination »es nützt mir und hilft anderen« gibt im besten Fall ausreichend Anstoß, sich eine Stellenanzeige einmal genauer anzuschauen.
Und wie erkennt ein Bewerbender den Sinn und Nutzen der Prüfdienstleistungen?
Das Bild von unbekannten Personen, die eine Urkunde in die Kamera halten mit der Bildunterschrift »Wir sind zertifiziert nach DIN XXX«? Eher nicht. Neugierig macht vielleicht ein Foto, auf dem ein Brandschutz-Ingenieur einen Feuerlöscher an einer brennenden Wand testet mit dem Bildtext: „Versuch macht klug! Wie verhält sich ein Feuerlöscher im Brandfall? Wir testen das, damit Menschen diese Produkte sicher nutzen können und im Falle des Falles geschützt sind.“
Nicht nur behaupten, dass »sich die Zertifizierung nach ISO 14001 für Unternehmen lohnt«, sondern klar sagen, warum das für jedes Unternehmen relevant ist. Nicht schreiben »Wir suchen Mitarbeitende im Bereich ZfP für die APÜ. Bewerben Sie sich jetzt!«. Stattdessen fragen Sie doch einmal, ob Interessierte die Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung ebenfalls für eine gute Sache halten. Nämlich beispielsweise bei der Prüfung der Räder von Zügen der Deutschen Bahn auf Verkehrssicherheit, die sie ganz gewiss selbst nutzen.
Die wiederkehrende Prüfung elektrischer Geräte nach DIN EN XXXXX ist Unternehmerpflicht, die in der Sicherheitsverordnung YY und der ZZ-Vorschrift geregelt sind.« Sachlich völlig korrekt, begeistert das andere? Vielleicht so: Bild eins von einem Prüfer bei der Inspektion eines Kaffeeautomaten. Bild zwei mit zwei Tassen dampfenden Kaffee, die Prüfer und Kunde trinken. „Wir helfen Unternehmen jeden Tag dabei, ihrer Pflicht zur Einhaltung von Sicherheitsverordnungen nachzukommen.“
Kandidat:innen, die wir in den letzten Jahren in dieser Branche kennengelernt haben, können mit wahrer Begeisterung Geschichten darüber erzählen, was ihren Job ausmacht, warum ihre Arbeit sinnvoll und befriedigend ist. Nichts überzeugt mehr als ein Mensch, der erzählt: Dies ist eine gute und sinnvolle Arbeit und sie macht mir richtig Spaß. Wir haben Ihnen einfach zugehört und für unsere Gespräche gelernt. Total langweilig ist anders. Wir sind davon überzeugt, es gibt sehr gute Argumente in der TIC-Branche. Und die lassen sich bei der Suche nach neuen Fachkräften bestens nutzen.